Autor Deutsche Lichtmiete®
Kategorie Elektrotechnik
Aktualisiert 27.09.19
Lesedauer 5 min.

Bei der Ausführung von Arbeiten an elektrischen Anlagen werden die Elektrofachkräfte einer Vielzahl von Gefahren ausgesetzt. Elektrounfälle enden häufig mit schweren äußeren und inneren Verletzungen oder schlimmstenfalls mit dem Tod. Die 5 Sicherheitsregeln der Elektrotechnik bauen jeweils aufeinander auf und dienen im Kollektiv dazu, folgenschwere Unfälle an Elektroanlagen zu verhindern.

5 Sicherheitsregeln als pdf

Arbeiten nach den 5 Sicherheitsregeln der Normenreihe DIN VDE 0105

Vorschriften sind oft umständlich formuliert und viel zu lang, als dass Sie oder andere Fachleute diese aus dem Gedächtnis bis ins letzte Detail beherrschen könnten. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, alle Sicherheitsvorschriften in ein paar kurzen Stichpunkten unterzubringen, sind die folgenden 5 Sicherheitsregeln in der Normreihe DIN VDE 0105 formuliert, die Sie als Elektrofachkraft kennen müssen:

NORMENREIHE DIN VDE 0105 Die 5 Sicherheitsregeln

Anlage freischalten

Wiedereinschalten verhindern

Spannungsfreiheit feststellen

Erden und Kurzschließen

Spannungführend Teile abdecken

Dokumente zum Herunterladen | © Deutsche Lichtmiete® / Annika Beckmann

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Sicherheitsregeln Formular

Bei den 5 Sicherheitsregeln der Elektrotechnik handelt es sich um eine international anerkannte Vorgehensweise zur Minimierung der Gefahren an Elektroanlagen. Sie dienen in erster Linie dem Schutz der Person, die an der Anlage arbeitet oder arbeiten soll.

Die fünf Sicherheitsregeln werden nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen europäischen Ländern wie in Frankreich, Österreich oder der Schweiz angewendet. Häufig unterscheiden sich diese zwar minimal im Wortlaut, besagen aber letztlich genau das Gleiche. In Deutschland enthält die Norm DIN VDE 0105-100:2009-10 (Betrieb von elektrischen Anlagen) die Sicherheitsregeln, wobei diese auch in vielen untergeordneten Vorschriften wiederzufinden sind.

Geltungsbereich

Die 5 Sicherheitsregeln der Elektrotechnik gelten für alle Tätigkeiten im Bereich von Elektroanlagen. Alle Personen, die an oder in der Nähe von elektrotechnischen Anlagen arbeiten, müssen ausgebildete Elektrofachkräfte oder mindestens elektrotechnisch unterwiesene Personen sein. Dies stellt nicht nur sicher, dass alle Arbeiten mit der nötigen Sorgfalt, sondern auch mit maximaler Sicherheit durchgeführt werden.

Unabhängig davon, ob es sich um die gewöhnliche Steckdosenspannung von 230 Volt oder eine Hochspannungsanlage mit mehreren hundert Kilovolt handelt, haben Sie sich als Elektrofachkraft vor Beginn Ihrer Arbeit an die Sicherheitsregeln zu halten. Dabei sollen auch Personen, die keine mit der Elektroanlage im Zusammenhang stehenden Tätigkeiten verrichten, von derartigen elektrischen Gefahren unterrichtet werden. Dazu gehört zum Beispiel eventuelles Reinigungspersonal.

Arbeitsschritte

Je nach Anlagentyp können sich die Arbeitsschritte der 5 Sicherheitsregeln ein wenig unterscheiden, aber das grundsätzliche Vorgehen ist immer gleich.

1. Regel: Anlage spannungsfrei schalten

Im ersten Schritt müssen Sie den betreffenden Teil der Anlage von der Spannungsversorgung trennen. In Anlagen mit 230 Volt erfüllen Sie dies zum Beispiel durch das Ausschalten eines Leitungsschutzschalters oder durch das Herausdrehen einer Sicherung. Gleiches gilt für Beleuchtungsanlagen, die meist mit 230 oder 400 Volt betrieben werden. Wichtig! ⚠️ Das Ausschalten am Lichtschalter ist keine geeignete Maßnahme zum Freischalten! In Mittel- und Hochspannungsanlagen ist hierfür meist eine Schalthandlung durch eine speziell ausgebildete Person notwendig.

2. Regel: Gegen Wiedereinschalten sichern

Die zweite Sicherheitsregel erfolgt in jedem Fall durch ein Hinweisschild mit dem Verbot von Schalthandlungen. Ist das betroffene Schaltelement nicht in einem verschlossenen Elektroraum, sondern für Unbefugte zugänglich, müssen Sie eine zusätzliche mechanische Sicherung gegen Wiedereinschalten anbringen. Diese darf nicht ohne Werkzeug lösbar sein.

3. Regel: Spannungsfreiheit feststellen

Regel drei erfolgt mit einem für die Spannung geeigneten Messgerät. Im Falle des 230 Volt Netzes müssen Sie ein zweipoliges Spannungsmessgerät nutzen. Die häufig von Elektrofachkräften geführten einpoligen Spannungsprüfer dürfen Sie an dieser Stelle nicht benutzen, da diese bei ungünstigen Bedingungen fälschlicherweise Spannungsfreiheit anzeigen. Bei hohen Spannungen existieren gesonderte Messgeräte, mit denen aus sicherer Entfernung gemessen wird.

4. Regel: Erden und Kurzschließen

Das Erden und Kurzschließen dient Ihnen als letzte Sicherheit, wenn entgegen aller Maßnahmen wiedereingeschaltet wird. Außerdem verhindert dieser Schritt, dass sich Restspannungen bei Berührung der Anlage über Ihren Körper entladen. Diese Regel ist bei Anlagen über 1000 Volt vorgeschrieben und kann bei nahezu allen Anlagen mit 230 Volt bzw. Beleuchtungsanlagen vernachlässigt werden.

5. Regel: Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken

Die fünfte Regel muss angewendet werden, wenn Sie in einem vordefinierten Annährungsbereich unter Spannung stehender Teile arbeiten. Dies gilt auch, wenn Sie diesen Bereich mit Werkzeugen wie beispielsweise einer Leiter betreten müssen. Das Abdecken oder Abschranken erfolgt durch mechanisch feste Sicherungen, die auch ein versehentliches Berühren Ihrerseits, beispielsweise beim Stolpern, erfolgreich verhindern.

Reihenfolge beachten

Würden Sie die Reihenfolge verändern und beispielsweise vor dem Feststellen der Spannungsfreiheit mit dem Erden und Kurzschließen beginnen, laufen Sie Gefahr, Ihren Körper bei der Freischaltung des falschen Stromkreises mit der vollen Betriebsspannung in Kontakt zu bringen. Die gleiche Gefahr besteht bei einer Messung, wenn nicht gegen Wiedereinschalten gesichert wurde.

Folgen Elektrofachkräfte bedingungslos den Sicherheitsregeln, befinden sie sich auf der sicheren Seite. Die 5 Sicherheitsregeln sind durchnummeriert, weil sich daraus ein Ablauf ergibt, welcher jedem elektrotechnischen Facharbeiter in Fleisch und Blut übergehen sollte. Würden alle Elektrofachkräfte zu jedem Zeitpunkt uneingeschränkt diesen Regeln folgen, gäbe es keine Elektrounfälle mehr. Das Problem ist, dass in der Praxis unter Zeitdruck manchmal über so manche „Feinheit“ hinweggesehen wird.