Autor Deutsche Lichtmiete®
Kategorie Elektrotechnik
Aktualisiert 17.09.19
Lesedauer 6 min.

Kaum ein Arbeitsumfeld birgt so viele Gefahren wie das einer Elektrofachkraft. Hinzu kommt, dass die Gefahren völlig unsichtbar sind, da weder der Stromfluss noch eine anliegende Spannung mit dem Auge erkennbar sind. Die persönliche Schutzausrüstung (PSA) variiert zwar mit den Gefahren im Arbeitsumfeld, Teile davon sind jedoch für jede Elektrofachkraft unerlässlich.

Bedeutsamkeit von Schutzkleidung

Der Zweck von Schutzkleidung besteht generell immer in der Abwendung von Gefahren. Dies gilt für Elektrofachkräfte genauso wie für Schreiner. In der Elektrotechnik bestehen andere Gefahren. Die Schutzkleidung der Elektrofachkraft hat den Zweck, eine Isolierschicht zu bilden, die eine Berührung zwischen dem Körper und unter Spannung stehenden Teilen verhindert. Außerdem muss die Kleidung schwer entflammbar sein, da Elektrofachkräfte grundsätzlich unter der Gefahr der Lichtbogenbildung arbeiten. Ein Lichtbogen entsteht, wenn ein Stromkreis während des Stromflusses mechanisch unterbrochen wird, beispielsweise beim Herausziehen einer Sicherung.

Eine Sonderstellung bei elektrischen Arbeiten nehmen Sicherheitsschuhe ein. Diese müssen elektrisch isoliert sein. Elektrisch isoliert bedeutet, dass der Schuh die elektrisch leitende Verbindung verhindert. Das Ziel besteht darin, den Stromfluss durch den Körper in Richtung Erde möglichst gering zu halten. Je nach Arbeitsumfeld können weitere Anforderungen an die Schuhe gestellt werden, wobei sich die Schutzklasse S3 bei Sicherheitsschuhen immer mehr als Standard etabliert. Achtung! ⚠️ ESD-Sicherheitsschuhe nicht mit elektrisch isolierten Schuhen verwechseln! ESD-Sicherheitsschuhe bewirken genau den entgegengesetzten Effekt, da sie eine leitende Verbindung herstellen!

Mindestanforderungen an PSA für Elektrofachkräfte

Die persönliche Schutzausrüstung einer Elektrofachkraft besteht mindestens aus isolierter Kleidung und isolierten Sicherheitsschuhen. Schutzhandschuhe, Stiefel, Schutzbrillen, Helme und auch Werkzeuge können ebenfalls als persönliche Schutzausrüstung dienen. All diese Gegenstände schützen Sie vor Gefahren und sind immer an das Aufgabengebiet anzupassen. Die Schutzkleidung richtet sich nach Art der Tätigkeiten und den Spannungen, mit denen Sie in Berührung kommen.

Folgen bei fehlender, minderwertiger oder defekter Schutzausrüstung

Für Ihre persönliche Schutzausrüstung sind Sie als Elektrofachkraft selbst verantwortlich. Das bedeutet, dass Sie sich anhand Ihrer Aufgaben die benötigte Ausrüstung beschaffen und diese vor jedem Arbeitstag auf Funktionstüchtigkeit kontrollieren. Der Alltag sieht leider oftmals anders aus: Nicht selten kommt es vor, dass in der Eile die persönliche Schutzausrüstung auf das Nötigste reduziert oder gänzlich weggelassen wird. Dies steigert das Unfallpotential enorm, da der Schutz wegfällt, auf den sich die Elektrofachkraft im normalen Arbeitsalltag verlassen kann.

Die 5 Sicherheitsregeln der Elektrotechnik schützen zwar vor den meisten Unfällen, finden jedoch bei Arbeiten unter Spannung keine Anwendung, da sie für den spannungsfreien Zustand gelten. Abhängig von der Spannungsebene unterscheiden sich die Vorschriften. Reicht beim Auswechseln einer Leuchte im spannungsfreien Stromkreis die Standardbekleidung (Jacke, Hose, Schuhe) aus, so müssen bei Schalthandlungen an Mittelspannungsanlagen zusätzlich Handschuhe und Helm getragen werden. Ebenso wichtig: Ihre persönliche Schutzausrüstung sollte richtig sitzen, d. h. für Ihre Maße geeignet sein. Schlecht sitzende Schuhe oder zu kleine Handschuhe erschweren die Arbeit und steigern die Unfallgefahr.

Da Unfälle mit elektrischem Strom schwere Verletzungen oder Tod zur Folge haben, sollten Sie diese mit allen Mitteln vermeiden. Dabei gilt: Im Zweifel besser mehr Schutzausrüstung einsetzen als zu wenig!

Kennzeichnung und geltende Normen

Grundsätzlich sind alle Teile der Schutzausrüstung mit einer CE-Kennzeichnung versehen. Diese bestätigt, dass das Produkt nach allen geltenden Regeln angefertigt wurde. Weiterhin muss die persönliche Schutzausrüstung für Elektrofachkräfte das VDE-Prüfsiegel aufweisen. Die Norm, nach der das spezifische Produkt hergestellt und getestet wird, ist auf dem Etikett aufgedruckt. Die anzuwendenden Normen richten sich nach dem Ort der Anwendung. In Deutschland gelten daher alle DIN-, ISO-, VDE- und EN-Normen.

Die DIN VDE 0105-100 „Betrieb von elektrischen Anlagen“ gibt Hinweise zum Betrieb und einer sicheren Wartung von Elektroanlagen. Hierzu zählt ebenso die Anordnung der Arbeitsschutzkleidung für Elektrofachkräfte. Sie sollten unbedingt beachten, dass alle Teile der Schutzausrüstung immer für eine bestimmte Spannungsebene ausgelegt sind. ⚠️ Arbeiten an höheren als vom Hersteller zugelassenen Spannungen sind nicht erlaubt!

Die Norm EN 340 gibt die allgemeinen Anforderungen an eine persönliche Schutzausrüstung vor. Da diese Norm nur oberflächliche Rahmenbedingungen vorgibt, existieren für jedes Kleidungsstück separate Normen mit genaueren Vorgaben. Wichtig ist hier unter anderem die EN 61482 „Schutzkleidung gegen die thermischen Gefahren eines elektrischen Lichtbogens“, die feuerfeste Kleidung vorschreibt. Im Zusammenhang damit regelt die EN ISO 11612 die Tests der Arbeitskleidung auf Feuerfestigkeit.

Bestimmungen für Körperschutzmittel von Sicherheitsschuhen bis zu Schutzabdeckungen beim Arbeiten an unter Spannung stehenden Teilen enthält die VDE 0680. Isolierende Handschuhe aus Latex (bis 500 Volt) oder Gummi (bis 1.000 Volt) sind in der EN 60903 genauer definiert. Die Eigenschaften für Handwerkzeuge zum Arbeiten unter Spannung bis 1.000V AC (Wechselspannung) oder 1.500V DC (Gleichspannung) sind in der VDE 0682-201 (EN 60900) festgeschrieben.

Persönliche Schutzausrüstung für Arbeiten an Beleuchtungsanlagen

Hier müssen zwei Fälle unterschieden werden. Im ersten Fall kann die Beleuchtungsanlage komplett spannungsfrei geschalten werden. Anschließend folgen Sie den fünf Sicherheitsregeln und können mit der Arbeit beginnen. Besondere Schutzkleidung außer Jacke, Hose und Schuhen ist hier nicht erforderlich, da keine Gefahr durch elektrische Spannungen besteht.

Der zweite Fall tritt ein, wenn die Anlage nicht abgeschaltet werden kann. Dies muss vom Betreiber der Anlage begründet werden. Arbeiten unter Spannung sind nur im Ausnahmefallgestattet. Hier wird unter der vollen Betriebsspannung gearbeitet, wodurch sich die Anforderungen verändern. Zusätzlich zur Standard-Schutzkleidung müssen hier noch Sicherheitshandschuhe für die entsprechende Spannungsebene und ein Schutzhelm gegen eventuelle Lichtbögen eingesetzt werden. Da diese Ausrüstung das Arbeiten erschwert, sollte nach Möglichkeit immer die Abschaltung gewählt werden.

Fazit: Persönliche Schutzausrüstung für Elektrofachkräfte unerlässlich

Da die großflächige Abschaltung von Elektroanlagen häufig nicht ohne einen enormen Aufwand möglich ist, sehen sich Elektrofachkräfte häufig mit der Schwierigkeit konfrontiert, an spannungsführenden Elementen zu arbeiten. Die persönliche Schutzausrüstung ist dabei oftmals das Einzige, was den Körper von leitenden Teilen trennt. Diese große Aufgabe ist in einer Vielzahl an Normen genau geregelt. Bei all dem Aufwand, den Gesetzgeber und Hersteller betreiben, um hochwertige Schutzkleidung bereitzustellen, bleibt Ihnen als Elektrofachkraft nur eine Aufgabe: Das Tragen Ihrer persönlichen Schutzausrüstung!